… und die Gedanken einer Messebesucherin zur Glitzerwelt des Messe-Marketings.
Ein Tag auf der Funkausstellung in Berlin
Die Funkausstellung in Berlin ist jedes Jahr mein persönliches Highlight. Von dieser Messe habe ich bislang keine verpasst, sie ist mein persönliches Event in jedem beginnenden Herbst. Seitdem die Internationale Automobilausstellung gänzlich nach Frankfurt am Main umgezogen ist, findet sie jedes Jahr statt … und ich kann meine Lust auf neue Technik befriedigen, was sich meistens negativ in meinem Geldbeutel bemerkbar macht. Ob der erste CD-Wechsler in den 90er Jahren, eine DVD-Recorder oder der Camcorder mit Speicherkarte: Neues fasziniert mich und muss ausprobiert werden. Und andere haben auch teure Hobbys.
Wobei wir bei einem interessanten Thema wären: Kaum habe ich die Messe betreten und sehe den ersten Messestand mit schicken Hostessen, welche für die Promotion zuständig sind, dann frage ich mich, ob sich der Aufwand wirklich lohnt, den die Aussteller betreiben. Viele von ihnen sind um die halbe Welt gereist, und wenn sie sich nicht mit einem weltweit bekannten Markennamen schmücken können, sitzen sie schon mal ganz allein auf einem kleinen Fleckchen Ausstellungsraum den die Agentur kostspielig designed hat und schauen den vorbeiströmenden Massen zu, welche sich zu den Messeständen begeben, bei denen kultige Neuheiten und bewährte Marken präsentiert werden.
Die großen Namen der Unterhaltungselektronik und zunehmend auch der Computertechnik wetteifern auf dieser Messe freilich mit opulenten Ideen und einem beeindruckenden Schauspiel, welches die auf die neuen Geräte aufmerksam machen soll. Wenn man so wie ich in jedem Jahr die Funkausstellung besucht, dann hat man manchmal Lust, unintelligente Fragen zu stellen. Diese überkommen mich dann, wenn ich beispielsweise lese, dass der dicke klobige Röhrenfernseher doch bitte auf dem Schrott landen und durch das neue schlanke HDTV-Gerät ersetzt werden solle. War es vielleicht sogar der gleiche Firmenvertreter, der mir genau zwei Jahre zuvor die dicke klobige Röhre mit Breitbild und 100Hz Technik als zukunftsweisend präsentiert hat?
Die Schnelllebigkeit und mit ihr die Vergänglichkeit der Technik, welche auf dieser Berliner Messe ausgestellt wird, lässt die Frage aufkommen, ob sich dieser enorme Aufwand lohnt für Geräte, welche binnen weniger Monate bereits wieder vom Markt verschwunden sind, weil sie durch einen absolut innovativen Nachfolger ersetzt wurden. Die Promotion für alle Geräte, die auf diesem Event ausgestellt sind, hält niemals das Kalenderjahr bis zur nächsten Messe durch. Alle Aussteller, die dort ihren Messestand aufbauen wissen dies, und der Großteil des Publikums, welcher sich in der Regel gut in der Unterhaltungselektronik auskennt oder diese sogar zu ihrem Beruf gemacht hat, weiß es auch. Muss man einen Fernseher in hundertfacher Ausführung einmal um die Welt fliegen, um den Besuchern etwas zu zeigen, was sich kurze Zeit später überholt hat und vom Markt verschwunden ist? Oder könnte man das Geld für die Agentur und den Veranstalter sparen beziehungsweise dem Kunden zukommen lassen, indem man die Ware preiswerter verkauft?
Das Event ist auf jeden Fall jedes Jahr wieder ein gigantisches Ereignis mit einer perfekten Promotion und, nicht zu vergessen: Es lockt zahlreiche Besucher an.
Sie zahlen Eintritt in einer Glitzerwelt, die morgen schon wieder von gestern ist.
Man kann über den Zweck streiten, aber eins steht fest: Auch ich werde die nächste Messe nicht verpassen.











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